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16.09.2026
Beitrag

Datendurchgängigkeit in der Produktentwicklung. Die neue Schlüsselkompetenz für Enterprise-Unternehmen.

Die Zukunft hat bereits begonnen. Produkte entstehen längst über Standorte, Fachbereiche und Systeme hinweg. Doch während die Vernetzung zunimmt, bleibt eine entscheidende Frage oft unbeantwortet. Können Unternehmen ihre Informationen ebenso durchgängig steuern wie ihre Prozesse? Dieser Blog blickt deshalb hinter Schnittstellen und Plattformen. Er zeigt, warum Zukunftsfähigkeit nicht mit neuer Software beginnt, sondern mit klaren Daten, Verantwortlichkeiten und einem gemeinsamen Verständnis des gesamten Produktlebenszyklus.
Gerd Schmidt von Bechtle PLM
Gerd Schmidt

Warum verbundene Systeme keine Datendurchgängigkeit garantieren.

Technische Schnittstellen erzeugen erst dann einen belastbaren Informationsfluss, wenn alle beteiligten Systeme die übertragenen Daten eindeutig zuordnen und fachlich gleich interpretieren.

In vielen Enterprise Unternehmen sind CAD, PDM, PLM und ERP technisch miteinander verbunden. Trotzdem entstehen unterschiedliche Datenstände, manuelle Übergaben und wiederholte Rückfragen zwischen Konstruktion, Einkauf, Fertigung, Qualität und Service. Eine Schnittstelle kann Informationen übertragen, gewährleistet aber noch nicht deren Vollständigkeit, Aktualität und fachlichen Zusammenhang.

Die Ursache liegt häufig in unterschiedlichen Datenmodellen und ungeklärten Zuständigkeiten. Artikelnummern, Dokumente, Stücklisten, Änderungsstände und Freigaben werden möglicherweise in mehreren Systemen nach abweichenden Regeln gepflegt. Automatisierte Übertragungen können solche Widersprüche schneller verteilen, aber nicht eigenständig auflösen.

Die Folgen zeigen sich besonders bei Übergaben. Stimmen etwa Entwicklungsstückliste und Fertigungsstückliste nicht eindeutig überein, müssen Mitarbeitende Abweichungen manuell prüfen. Ist zusätzlich unklar, welches System den freigegebenen Stand führt, entstehen Abstimmungsschleifen und vermeidbare Prozessrisiken.

Unternehmen sollten deshalb zuerst bestimmen, welche Informationen in welchem Prozessschritt benötigt werden. Für jede relevante Information muss feststehen, wo sie entsteht, wer sie verantwortet und welches System sie verbindlich führt. Erst darauf aufbauend lassen sich Datenmodelle, Prozesse und Schnittstellen zu einer durchgängigen Architektur verbinden.

Warum Prozessverständnis wichtiger ist als Technologie.  

Am Anfang einer durchgängigen PLM-Architektur steht nicht die Software, sondern ein präzises Verständnis der Anforderungen, denn erst wenn Abläufe, Verantwortlichkeiten und Informationsbedarfe vollständig geklärt sind, lässt sich Technologie gezielt einsetzen.

Standardlösungen können dann ihre Stärke ausspielen, weil sie nicht den Prozess bestimmen, sondern auf einem tragfähigen Konzept aufsetzen. Damit wird zugleich deutlich, welchen Stellenwert Software in einem solchen Projekt tatsächlich hat. Sie bildet das technische Fundament, löst aber weder fachliche Widersprüche noch unklare Zuständigkeiten. 

Genau hier entscheidet sich die Qualität des beratenden Partners. Wer die passende Lösung entwickeln will, muss den Gesamtprozess beherrschen, Zusammenhänge über Fachbereiche und Systeme hinweg erkennen und Anforderungen in klare Abläufe, belastbare Schnittstellen und eine schlüssige Architektur übersetzen. So entsteht aus verfügbarer Technologie eine Lösung, die nicht nur funktioniert, sondern Unternehmen dauerhaft voranbringt.

Ein Risiko entsteht nicht durch Änderungen. Es entsteht durch die fehlende Sicht auf die Folgen.

Wie der digitale Thread Zusammenhänge sichtbar macht.

Ein Digital Thread verbindet nicht nur Produktdaten, sondern macht ihre Entstehung, ihre Veränderungen und ihre Auswirkungen über den gesamten Produktlebenszyklus nachvollziehbar.

Produktinformationen entwickeln sich schrittweise. Aus Anforderungen entstehen Konstruktionen, Stücklisten, Fertigungsunterlagen, Prüfmerkmale und Serviceinformationen. Jede dieser Informationen steht in einem fachlichen Zusammenhang mit vorangegangenen Entscheidungen und nachfolgenden Prozessschritten.

Product Lifecycle Management bezeichnet den organisatorischen und technischen Rahmen für die Steuerung dieser Informationen und Prozesse. Der Digital Thread bildet darin die nachvollziehbare Verbindung zwischen Anforderungen, Produktstrukturen, Dokumenten, Freigaben und Änderungen. Er zeigt damit nicht nur den aktuellen Datenstand, sondern auch den zugehörigen Entstehungskontext.

Ein typisches Beispiel ist eine konstruktive Änderung an einer Baugruppe. Sie kann neben dem CAD-Modell auch Zeichnungen, Stücklisten, Beschaffungsinformationen, Prüfmerkmale und Servicedokumente betreffen. Fehlt die durchgängige Verbindung, müssen betroffene Objekte und Verantwortliche manuell identifiziert werden.

Mit einem Digital Thread lassen sich die Auswirkungen einer Änderung früher bewerten. Beteiligte Bereiche erkennen, welche Daten, Prozesse und Entscheidungen betroffen sind, bevor Einkauf oder Fertigung mit einem überholten Stand arbeiten. Besonders in standortübergreifenden Enterprise Strukturen verbessert diese Transparenz die Qualität und Nachvollziehbarkeit von Freigaben.

Warum Datenqualität wichtiger ist als neue Software.

Ein Digital Thread kann nur so verlässlich sein wie die Produktdaten, Regeln und Verantwortlichkeiten, auf denen er aufbaut.

Datenprobleme werden oft erst sichtbar, wenn Unternehmen ihre Systeme enger miteinander verbinden. Doppelte Materialien, uneinheitliche Benennungen, fehlende Attribute und unklare Versionsstände verschwinden nicht durch eine zusätzliche Plattform. Eine neue Lösung übernimmt zunächst die Qualität der bereitgestellten Daten.

Eine belastbare PLM-Datenintegration benötigt deshalb ein gemeinsames fachliches Datenmodell. Es definiert relevante Objekte und Attribute, ihre Beziehungen sowie die Regeln für Anlage, Pflege, Freigabe und Änderung. Gleichzeitig muss für jede wesentliche Information ein führendes System festgelegt werden.

Fehlen diese Regeln, steigt mit jeder weiteren Integration die Zahl möglicher Fehlerstellen. Ein unvollständiges Attribut kann Beschaffung, Fertigungsplanung oder Qualitätssicherung beeinträchtigen. Automatisierte Prozesse verteilen fehlerhafte Informationen zudem schneller an nachgelagerte Bereiche.

Vor einer technischen Erweiterung empfiehlt sich daher eine strukturierte Bestandsaufnahme. Unternehmen sollten kritische Datenobjekte, bekannte Qualitätsprobleme, führende Systeme und betroffene Prozesse gemeinsam bewerten. Diese Vorarbeit reduziert Risiken und schafft die Grundlage für Automatisierung, Migration und eine schrittweise Weiterentwicklung der PLM-Architektur. 

Über die technische Umsetzung hinaus zwingt ein solches IT-Projekt dazu, gewachsene Prozesse kritisch zu hinterfragen. Dabei wird häufig sichtbar, dass einzelne Abläufe nicht nur angepasst, sondern grundlegend neu strukturiert oder ersetzt werden müssen. Bleiben diese Schwachstellen unberücksichtigt, werden bestehende Probleme lediglich in die neue Systemlandschaft übertragen. 

Eine unabhängige Bewertung im Vorfeld schafft Klarheit über den tatsächlichen Handlungsbedarf, sichert Investitionen ab und verhindert, dass ungelöste Schwachstellen zum Scheitern des gesamten Projekts führen.

Wie Datendurchgängigkeit Prozesse beschleunigt.

Geschwindigkeit entsteht, wenn vollständige und freigegebene Informationen im richtigen Prozessschritt verfügbar sind und nicht erneut gesucht, geprüft oder übertragen werden müssen.

In nicht durchgängigen Abläufen verbringen Mitarbeitende viel Zeit mit der Suche und Kontrolle von Informationen. Sie gleichen Stücklisten ab, verfolgen Freigaben per E-Mail oder pflegen Änderungen in mehreren Systemen nach. Diese Tätigkeiten verlängern Durchlaufzeiten und binden Fachkräfte, ohne das Produkt unmittelbar weiterzuentwickeln.

Durchgängige Produktdaten ermöglichen eine kontrollierte Wiederverwendung. Informationen werden an der fachlich richtigen Stelle erzeugt, nach definierten Regeln freigegeben und nachfolgenden Prozessen bereitgestellt. Konstruktion, Einkauf, Fertigung und Service greifen dadurch auf einen nachvollziehbaren Datenstand zu.

In Enterprise Organisationen wächst der mögliche Nutzen mit der Komplexität. Mehrere Entwicklungsstandorte, internationale Fertigungsnetzwerke, unterschiedliche Produktlinien und Unternehmenszukäufe erhöhen die Zahl der beteiligten Systeme und Prozessvarianten. Ohne gemeinsame Strukturen steigt der Abstimmungsaufwand mit jeder organisatorischen Erweiterung.

Datendurchgängigkeit reduziert deshalb nicht nur Bearbeitungszeiten. Fehler werden früher erkannt, Termine lassen sich verlässlicher planen und Verantwortlichkeiten werden transparenter. Fachbereiche können sich stärker auf technische und geschäftliche Entscheidungen konzentrieren, statt die Herkunft und Gültigkeit von Informationen zu klären.

Welche PLM-Architektur langfristig tragfähig ist.

Die passende PLM-Architektur orientiert sich an den erforderlichen Geschäftsprozessen und der vorhandenen Systemlandschaft, nicht an einem vorab festgelegten Zielsystem.

Gewachsene Systemlandschaften enthalten wertvolle Produktdaten, bewährte Abläufe und über Jahre aufgebautes Prozesswissen. Ein vollständiger Austausch kann sinnvoll sein, ist aber nicht automatisch der wirtschaftlichste Weg. Entscheidend ist, an welchen Stellen Medienbrüche, fehlende Informationen oder unklare Verantwortlichkeiten den Produktentstehungsprozess beeinträchtigen.

In vielen Unternehmen übernimmt SOLIDWORKS PDM die Verwaltung von CAD-Dateien, Zeichnungen, Dokumenten, Versionen und Freigabeständen innerhalb konstruktionsnaher Abläufe. Mit zunehmender Unternehmensgröße können Anforderungen hinzukommen, die über das technische Datenmanagement hinausgehen. Dazu gehören unternehmensweite Änderungsprozesse, standortübergreifende Zusammenarbeit und die Verbindung zusätzlicher Fachbereiche.

Plattformkonzepte rund um 3DEXPERIENCE verfolgen einen breiteren PLM-Ansatz. Sie können Produktinformationen, beteiligte Rollen und Prozesse über mehrere Phasen des Produktlebenszyklus hinweg zusammenführen. Dabei ist fachlich zwischen Konstruktion, Datenmanagement, Simulation, Fertigungsplanung, Zusammenarbeit und Datenanalyse zu unterscheiden.

SOLIDWORKS PDM und 3DEXPERIENCE müssen daher nicht grundsätzlich als konkurrierende Alternativen betrachtet werden. Je nach Ausgangslage kann ein bestehendes PDM weiterhin technische Konstruktionsdaten verwalten, während eine übergreifende Plattform zusätzliche PLM-Prozesse unterstützt. Auch hybride Architekturen oder Übergangslösungen sind möglich, sofern Datenverantwortung, Schnittstellen und führende Systeme eindeutig geregelt sind. Die Anforderungen bestimmen den richtigen Weg. Die richtige Strategie folgt nicht der Technologie allein, sondern dem Produktportfolio, den Prozessen und dem Transformationsbedarf des Unternehmens.

Fazit.

Datendurchgängigkeit in der Produktentwicklung ist mehr als eine technische Integrationsaufgabe. Schnittstellen übertragen Informationen, lösen jedoch keine widersprüchlichen Datenmodelle, ungeklärten Zuständigkeiten oder unterbrochenen Prozessübergaben. Nachhaltige Ergebnisse entstehen erst durch das abgestimmte Zusammenspiel von Daten, Prozessen, Systemen und Verantwortlichen.

Der Digital Thread macht Zusammenhänge zwischen Anforderungen, Konstruktion, Produktstrukturen, Freigaben und Änderungen nachvollziehbar. Dadurch können Unternehmen Auswirkungen früher erkennen und Entscheidungen auf einer konsistenten Informationsbasis treffen. Datenqualität ist dafür keine vorbereitende Nebenaufgabe, sondern ein wesentlicher Bestandteil der PLM-Strategie.

Für Enterprise Unternehmen wird diese Fähigkeit mit jedem zusätzlichen Standort, jeder neuen Produktlinie und jeder Akquisition wichtiger. SOLIDWORKS PDM und 3DEXPERIENCE können dabei unterschiedliche und aufeinander abgestimmte Aufgaben übernehmen. Entscheidend ist nicht die größtmögliche Vernetzung, sondern die kontrollierte Verbindung der Informationen, die für den jeweiligen Prozess tatsächlich benötigt werden.

Der geeignete Einstieg liegt häufig in einem konkreten Ablauf mit erkennbaren Medienbrüchen, langen Durchlaufzeiten oder hoher Fehleranfälligkeit. Beginnen Sie dort, wo der Schmerz am Größten ist. Von dort aus lassen sich Datenmodell, Verantwortlichkeiten und Zielarchitektur schrittweise entwickeln. Fordern Sie weitere Informationen an, wenn Sie die Potenziale für Datendurchgängigkeit, SOLIDWORKS PDM und 3DEXPERIENCE in Ihrer Systemlandschaft bewerten möchten. 

FAQ zur Datendurchgängigkeit.

Was bedeutet Digital Thread in der Produktentwicklung?

Ein Digital Thread verbindet Produktinformationen und ihre fachlichen Zusammenhänge über den gesamten Lebenszyklus. Er macht sichtbar, wie Anforderungen, Konstruktionen, Produktstrukturen, Freigaben und Änderungen zusammenwirken. Dadurch müssen Abhängigkeiten nicht manuell aus verschiedenen Systemen rekonstruiert werden.

Wie funktioniert PLM-Datenintegration?

PLM-Datenintegration verbindet Informationen aus unterschiedlichen Systemen mit den zugehörigen Produktentstehungsprozessen. Neben der technischen Übertragung sind ein gemeinsames Datenmodell, definierte Verantwortlichkeiten und eindeutig festgelegte führende Systeme erforderlich. Erst dadurch können Fachbereiche Produktinformationen konsistent weiterverwenden.

Welche Rolle spielt die SOLIDWORKS PDM Integration?

Eine SOLIDWORKS PDM Integration stellt technische Produktdaten kontrolliert für weitere Systeme und Prozesse bereit. Dazu können CAD-Dateien, Zeichnungen, Dokumente, Metadaten und Freigabestände gehören. Welche Informationen übertragen werden, richtet sich nach dem Datenmodell und den Anforderungen der nachfolgenden Prozesse.

Was unterscheidet PDM von einer PLM-Plattform?

PDM konzentriert sich vor allem auf technische Produktdaten und konstruktionsnahe Abläufe. Eine PLM-Plattform bezieht zusätzlich weitere Rollen, Informationen und Prozesse des Produktlebenszyklus ein. Beide Ansätze können sich ergänzen, wenn ihre Aufgaben und Datenverantwortungen klar voneinander abgegrenzt sind.

Wann ist eine hybride PLM-Architektur sinnvoll?

Eine hybride PLM-Architektur kann lokale Systeme mit cloudbasierten Funktionen und Prozessen verbinden. Bestimmte Daten können abhängig von technischen, betrieblichen oder organisatorischen Anforderungen lokal verbleiben, während übergreifende Zusammenarbeit und Prozesssteuerung plattformbasiert erfolgen. Voraussetzung sind geeignete Schnittstellen, konsistente Datenmodelle und eindeutige Zuständigkeiten.

Gerd Schmidt von Bechtle PLM
Gerd Schmidt
Technischer Redakteur
Gerd verfügt über umfangreiche Erfahrung im Verfassen technischer Texte und Dokumentationen und kann selbst die Bedienungsanleitung eines Toasters spannend gestalten. Als Technischer Redakteur belebt er mit seinem scharfen Verstand und einem Hauch von Humor selbst die trockensten technischen Details.
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